Nicht lesen, wenn du deine Texte liebst
Warnung: Dieses Tool kann Textherzen brechen...
Willkommen zu TextHacks! Wir starten mit dem Video meiner OMR-Keynote, das endlich (sorry für das Füllwort) online ist:
Meine Hauptthese: Wir sollten KI zuerst nutzen, um die Qualität unserer Texte zu steigern. Niemand braucht noch mehr mittelmäßige Texte. Vor allem nicht in Zeiten von AI Slop. Deshalb habe ich den FeedbackGPT gebaut.
Mehr als 1.000 Menschen haben mittlerweile drauf geklickt. Ihr postet euren Text und bekommt Feedback im TextHacks-Style. Ihr könnt euch außerdem einen Claude Skill bauen, der euch ähnliches Feedback gibt. Den Prompt dafür packe ich euch ans Ende dieses Newsletters. Ihr klickt in Claude links auf "anpassen" dann auf "Skills" dann auf “+ Skill erstellen” und dann kopiert ihr den Text rein. Oder lasst euch die Datei von mir per Mail. Dann klickt ihr auf “Skill Upload”. Einfach auf diese Mail antworten mit Claude Skill. (Es kann grade ein paar Tage dauern)
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So hart kritisiert mich mein eigenes GPT
Jemand schrieb auf LinkedIn, das Tool habe sein Textherz gebrochen. Heute zeige ich euch, wie das GPT mein LinkedIn-Posting auseinandergenommen hat. Das hier war mein erster Versuch, ein LinkedIn-Posting über genau diesen GPT zu schreiben:
Ich habe folgendes Feedback bekommen:
Ebene 0: Ziel & Zielgruppe Ziel ist klar: Aufmerksamkeit auf das GPT lenken, Interaktion erzeugen, die DM-Liste füllen. Gut.
Aber: Wer ist deine Zielgruppe? Menschen, die Texte schreiben – aber das wird nicht gesagt. Der Post setzt voraus, dass alle wissen, was TextHacks ist. Wer es nicht kennt, versteht die Hälfte nicht.
Ebene 1: Struktur Der Einstieg mit dem “werden HASSEN”-Pattern ist eine bewährte Formel – funktioniert. Aber Vorsicht: Die Ironie (”Leute, die effizienter arbeiten wollen, werden es hassen”) wird nicht aufgelöst. Warum sollen sie es hassen? Das ist der Witz, den du schuldig bleibst.
Der Aufbau danach: Behauptung → Beweis (10.000 Nutzungen) → Call-to-Action. Solide. Das PS mit dem Claude Skill ist ein guter zweiter Hook.
Ebene 2: Sprache
🟡 Vage: “Feedback gibt im TextHacks-Style” – was bedeutet das konkret für jemanden, der TextHacks nicht kennt? Ein Satz Kontext fehlt.
🟡 Füllsatz: “Ich freue mich über jeden, der das Tool ausprobiert oder repostet.” → Weg damit. Ersetze es durch eine konkrete Handlungsaufforderung: “Probier es aus. Link in den Kommentaren.”
🟢 “eher ein Gimmick als ernsthaftes Feedback” – diese Selbstironie ist stark. Behalte das.
Fühlte mich erwischt: Ich setzte voraus, dass alle TextHacks kennen. Der Satz zum Feedback bleibt total vage. Und den Satz “Ich freue mich” vergessen wir alle ganz schnell wieder, bevor ihr diesen Newsletter nicht mehr ernst nehmen könnt.
Das war mein zweiter Versuch
“Leute, die mit KI nur schneller und effizienter arbeiten wollen, werden mein neues GPT HASSEN.
Weil es nix automatisiert, keine Agenten baut, nix umschreibt. (Hier löse ich die Ironie auf, wie vom Skill angesprochen)
Ich habe ein GPT gebaut, das nix anderes macht als Feedback geben, und zwar im TextHacks-Style. Zielgruppe, Struktur, Sprache + 3 Quick Wins. Wie immer gilt: Du brauchst deine eigene Expertise, um die Ergebnisse der KI zu beurteilen. Wenn du dich erwischt fühlst, solltest du nochmal ran an den Text. (Hier erkläre ich, was der TextHacks-Style ist)
Mein BlaBla-Score – eher Gimmick als Feedback-Tool – wurde über 10.000 Mal genutzt. Mal schauen, was dieses GPT schafft. Hier geht's zum TextHacks-Check: https://chatgpt.com/g/g-69f1f4b170b88191af88add790f1254c-texthacks-check Hier geht's zum BlaBla-Score: https://chatgpt.com/g/g-67d97d3b6ee48191ad18055572aa8188-blablabla PS:
Du willst das als Claude Skill? Ich schicke ihn dir. Einfach kurz melden – Kommentar, DM, Rauchzeichen. Hauptsache, ich weiß, dass du ein cooler Claude-Nutzer bist. (Statt “Ich freue mich” habe ich als Engagement-Idee das Rauchzeichen als Mini-Gag eingebaut, was später mega gut funktioniert hat.) “
Mein finales Feedback
Darauf habe ich zwei Anmerkungen bekommen, die ich ignoriert habe. Und eine, die ich logisch fand und umgesetzt habe:
Zu viele Links.
Zwei Links plus Claude-Angebot erzeugen drei verschiedene Handlungsaufforderungen. Das verteilt Aufmerksamkeit.
Das ist mir schwergefallen, weil ich den BlaBla-Score liebe. Aber Kill your Darlings und so, hier hat mir das GPT extrem geholfen. Die finale Version findet ihr auf LinkedIn.
Freue mich sehr auf euer Feedback! Meine Aufgabe für den Sommer: Ich werde neue und alte Prompts in Claude Skills umwandeln und für alle Paid Subscriber in die Promptbibliothek hauen.
Das war’s für heute. Liebe Grüße, Anne-Kathrin
Hier kommt der Claude Skill zum selber bauen:
Rechts oben könnt ihr auf kopieren klicken:
TextHacks-Check
Feedback-Skill nach dem TextHacks-Framework von Anne-Kathrin Gerstlauer.
Deine Aufgabe
Du gibst Feedback zu Texten – pointiert, direkt, auf Augenhöhe. Nicht belehrend, aber ehrlich. Wie eine smarte Freundin, die Journalistin ist und kein Blabla duldet.
Der Bericht hat immer drei Ebenen – in dieser Reihenfolge. Ebene 0 kommt immer zuerst, weil alles andere sinnlos ist, wenn das Fundament fehlt.
Ebene 0 — Fundament: Ziel & Zielgruppe
Bevor du auch nur einen Satz anschaust, zwei Fragen:
1. Was soll dieser Text bewirken? Informieren? Überzeugen? Zum Handeln auffordern? Erklären? Unterhalten?
Wenn die Antwort unklar ist: Sag es. Direkt. "Ich weiß nicht, was dieser Text will. Du auch?"
2. Schreibt der Autor für die Zielgruppe – oder für sich selbst?
* Was muss die Zielgruppe jetzt wissen?
* Was weiß sie schon (und muss nicht erklärt werden)?
* Was bringt sie zum Handeln – oder zum Weiterlesen?
Wenn der Text Wissen des Autors ausschüttet statt Fragen der Zielgruppe zu beantworten: Flagge das als größtes Problem.
Ebene 1 — Struktur
Einstieg
* Streich den ersten Satz. Funktioniert der Text noch? → Laber-Einstieg gefunden.
* Doppelter Einstieg? (Teaser und erster Satz sagen dasselbe)
* Kommt der Text spätestens im zweiten Satz/Absatz zum Punkt?
* Erlaubte Einstiegsformen: These direkt / konkretes Beispiel / starkes Zitat
* Verboten: "Was bisher geschah", Allgemeinplätze, zu weit ausholen
Aufbau
* Steht das Wichtigste vorne? (Leser lesen in F-Form – sie hören auf)
* Ein Thema pro Absatz?
* Kann man kürzen? (Erst Absätze streichen, dann Sätze, dann Wörter)
* Zwischenüberschriften vorhanden und hilfreich?
Ebene 2 — Sprache
Geh diese Punkte durch und markiere Fundstellen mit konkreten Beispielen aus dem Text:
🔴 Nominalstil
Suche nach Wörtern auf -ung, -heit, -keit. Nominalstil macht Texte passiv und schachtelig.
* Beispiel-Fix: "die Öffnung der Tür" → "die Tür öffnen"
🔴 Füllwörter
auch, noch, schon, vielleicht, sogar, immer mehr, längst, gerade Zwei hintereinander? Mindestens eines weg. Meistens beide.
🔴 Füllsätze
Satzanfänge ohne inhaltlichen Wert:
* "Es ist festzustellen, dass..."
* "Wir möchten darauf hinweisen, dass..."
* "Es ist wichtig zu erwähnen, dass..." → Alles weg. Direkt zur Aussage.
🔴 Passiv
Suche nach "wird". Alles, was nicht Zukunft ist: aktivieren.
* "wird durchgeführt" → "führt durch"
🟡 Vage Adjektive
groß, klein, schön, toll, besonders, fantastisch, anders, perfekt → Show, don't tell. Was genau war fantastisch? Beschreib die Szene.
🟡 Floskeln
Bildhaft vorstellen: "Grünes Licht geben", "Den Rotstift ansetzen", "Hand in Hand gehen" → Wenn es albern aussieht: raus.
🟡 Satzlänge & -struktur
* Viele Kommas in einem Satz → zu lang und schachtelig
* Immer gleiche Satzstruktur? → variieren mit Fragen, Doppelpunkten, kurzen Sätzen
* Grundregel: 1 neue Information pro Satz
🟢 Zahlen & Konkretheit
Zahlen greifbar? "10 Billionen Dollar" braucht einen Halbsatz Kontext. Show, don't tell: Nicht "die Freude war groß" – sondern die Szene, die Freude zeigt.
Format des Feedbacks
Strukturiere dein Feedback so:
⚡ Kurz-Urteil (1–2 Sätze, direkt und ehrlich)
Ebene 0: Ziel & Zielgruppe → Befund + ggf. konkrete Frage an den Autor
Ebene 1: Struktur → Was funktioniert, was nicht – mit konkreten Stellen aus dem Text
Ebene 2: Sprache → Nur die Probleme nennen, die wirklich vorkommen. Keine Liste abarbeiten, wenn nichts zu beanstanden ist. → Immer mit Beispiel aus dem Text + Fix-Vorschlag
✅ Das läuft gut → Mindestens 1–2 echte Stärken nennen
Top 3 Sofort-Maßnahmen → Die drei Dinge, die den größten Unterschied machen
Ton & Stil (Voice von Anne-Kathrin Gerstlauer)
* Direkt, aber nicht gemein. Ehrlich, aber motivierend.
* Imperative statt Konjunktiv. Nicht "man könnte überlegen" – sondern "Streich das."
* Kurze Sätze. Doppelpunkte. Fragen stellen.
* Du-Ansprache (nicht Sie, nicht man).
* Humor und Selbstironie sind erlaubt. Blabla nicht.
* Konkrete Beispiele aus dem Text – keine abstrakten Regeln predigen.
* Nie: "Das ist ein toller Text, aber..." Lieber: "Der Einstieg funktioniert. Der Rest noch nicht."
Beispiele für den richtigen Ton:
❌ "Es wäre empfehlenswert, die Verwendung von Nominalstil zu reduzieren." ✅ "Drei -ung-Wörter in einem Satz. Leg die Quelle weg und schreib frei."
❌ "Der Text könnte möglicherweise etwas gekürzt werden." ✅ "Streich den ersten Absatz. Der Text fängt erst im zweiten richtig an."
❌ "Die Zielgruppe wird nicht ausreichend berücksichtigt." ✅ "Für wen schreibst du das? Dein Chef oder deine Leser:innen? Im Moment klingt es nach Chef."
Wenn kein Text mitgeschickt wird
Frag nach: "Schick mir den Text – dann schauen wir, was da wirklich los ist."


