Der Binde-Strich-Hack
Floskeln haben keine Chance gegen diesen Hack. Für alle, die ihre eigenen Sätze nicht mehr lesen können...
Willkommen zu TextHacks! Heute mit meinem Lieblingshack aus Workshops: der Bindestrich-Hack.
Wir setzen neue Wörter mit Bindestrichen zusammen. Ihr kennt diesen Hack aus meinen Betreffzeilen:
Und genau diese Folgen erzielen überdurchschnittlich hohe Öffnungsraten.
Meine Theorie: Die Wörter überraschen unser Gehirn. Hat man eben nicht tausend Mal gelesen. Ist kein Clickbait. Und macht trotzdem neugierig.
Wie funktioniert das?
Ich setze zwei bis vier Wörter mit einem Bindestrich zusammen. Mindestens eins davon sollte super konkret sein.
✉️ Fall 1 sind also Betreffzeilen.
🔁 Fall 2 sind floskelige Formulierungen, die wir ersetzen wollen.
Im Juli saß ich in einem Workshop mit einer NGO, die 100 Mal am Tag Mails verschickt mit:
Bitte spenden
Wir machen uns Sorgen
Wir freuen uns, wenn du dabei bist
Da passiert im Gehirn nichts. Oder in Bindestrichen gesagt: Da geht kein Gehirn-Emotionen-Schalter an. Was ich daraus gemacht habe:
Vorher: “Das ist eine beängstigende Vorstellung”
Nachher: Das ist unser “Nicht-Wegschauen-Moment” und genau deshalb schreiben wir dir.
Der Bindestrich-Hack funktioniert mitten im Satz genauso gut.
Bonus-Hack: Nutzt ihn für Kampagnen. Erfindet ein Wort, das ihr wieder und wieder verwendet.
Was findet ihr überzeugender:
Das Gesetz zur Weiterentwicklung der Qualität von Kindertagesstätten.
Oder: Das Gute-Kita-Gesetz (gibt es wirklich).
Das Prinzip funktioniert genauso gut ohne Bindestrich.
🧠 Wir erfinden komplett neue Wörter
Ich hatte euch vergangene Woche nach euren liebsten deutschen Wörtern gefragt. Und die meisten davon sind zusammengesetzte Wörter. Ich glaube, das kann keine Sprache so schön wie die deutsche.
5 Beispiele:
🩹 Trostpflaster
💞 Herzenswunsch
🎵 Ohrwurm
🔍 Detailtiefe
🎬 Kopfkino
Und besonders schön eine Abwandlung:
Fingerspitzengewühl
🏆 Deshalb zwei Übungen mit 1 Gewinn:
Der Kommentar mit den meisten Likes gewinnt ein Paid-Abo auf Lebenszeit inklusive meiner Promptbibliothek:
Wir setzen ein Bindestrichwort zusammen und verbessern damit diese Formulierung: Wir freuen uns, wenn du Mitglied wirst.
Wir erfinden ein komplett neues Wort für dieses Gefühl: doomscrolling, zu lange am Handy gesessen, nichts gemacht, aber sich dabei schlecht gefühlt
Postet eure Antworten zu 1 oder 2 in die Kommentare und stimmt ab über die Vorschläge:
🤖 Der Bindestrich-Hack als Claude Skill
Soooooo, und als Geschenk habe ich das Prinzip als Claude Skill sowie als Prompt gebaut.
Meine Ausgangsformulierung:
Ich kann vor Aufregung nicht schlafen.
Die Ergebnisse von Claude mit meinem Skill:
Meine Favoriten:
Ich liege im Bett und mein Hirn fährt Vorfreude-Nachtschicht.
Meine Gedanken drehen die Vorfreude-Extrarunde, obwohl ich längst schlafen sollte.
Typisch: Die Aufregung schickt mich direkt in den Kein-Auge-zu-Modus.
⚠️ Achtung: Dieses Prinzip wollen wir nicht überstrapazieren. Maximal zwei Bindestrich-Wörter pro Text. Sie funktionieren super als Pointe am Ende eines Absatzes oder vor einem CTA wie einem Spendenaufruf. Oder als Anti-Rausschmeißer-Einstieg.
Hier kommt der komplette Skill, den ihr so in Claude anlegen könnt. Ich werde den Skill außerdem als normalen Prompt umbauen, und dann in die Promptbibliothek für Paid Subscriber hinterlegen.
Erfindet Bindestrich-Wörter und Kunstwörter, um Gefühle, Konzepte oder Floskel-Formulierungen mit einem einzigen prägnanten Wort zu benennen. Nutze diesen Skill, wenn jemand explizit ein neues Wort/einen neuen Begriff für etwas sucht — z. B. “gib mir ein Bindestrich-Wort dafür”, “erfinde ein Kunstwort für dieses Gefühl”, “wie könnte man das in einem Wort nennen”, oder wenn jemand eine konkrete Formulierung als “zu floskelig” markiert und explizit ein prägnanteres Wort dafür will. Nutze diesen Skill auch bei generischen, technik-offenen Anfragen wie “gib mir Betreffzeilen-Vorschläge” oder “brauche eine Überschrift” ohne expliziten Wortwunsch — hier aber nicht direkt 20 Bindestrich-Wörter liefern, sondern laut Skill-Anleitung erst kurz rückfragen, ob Bindestrich-Wörter mit dabei sein sollen. Bei explizitem Wortwunsch ist das Ergebnis immer 20 fertige Sätze, in denen je ein Bindestrich-Wort im Kontext verwendet wird — nie das Wort isoliert, keine Begründungen, keine bloße Erklärung der Technik.
TextHacks-Bindestrich
Du erfindest Bindestrich-Wörter (oder echte Kunstwörter) — und lieferst direkt fertige, einsetzbare Vorschläge.
Die Mechanik dahinter
Jedes starke Bindestrich-Wort hat zwei Rollen:
Kopf-Wort (meist am Ende): sagt dem Gehirn, in welche Schublade das Neue gehört. Alltagswort, keine Fachvokabel. Beispiele: Moment, Gesetz, Verbot, Hack, Problem, Schalter, Falle, Regel.
Überraschungs-Element (davor, 1–3 Wörter): liefert das Bild, die Konkretheit, den Reiz. Hier passiert die eigentliche Kreativität.
Beispiele zur Kalibrierung:
Nicht-Wegschauen-Moment (Verneinung + Verb → Kopf-Wort)
Gute-Kita-Gesetz (Adjektiv + konkretes Nomen → Kopf-Wort)
Ich-Ich-Ich-Verbot (Wiederholung als Verstärker → Kopf-Wort)
Selber-Denken-Hack (Reflexivpronomen + Verb → Kopf-Wort)
Falsche-Wörter-Problem (Adjektiv + Nomen → Kopf-Wort)
Fingerspitzengewühl (echtes Kunstwort, kein Bindestrich — Anlehnung an ein bekanntes Wort, ein Buchstabe/eine Silbe verschoben)
Deine Aufgabe
Der Nutzer gibt dir entweder:
Eine Formulierung, die zu floskelig/austauschbar ist (”Wir freuen uns, wenn du dabei bist”), und will explizit ein prägnanteres Wort dafür, oder
Ein Gefühl/Phänomen, das noch keinen griffigen Namen hat (z. B. “schlechtes Gewissen nach zu viel Doomscrolling”), oder
Einen Kontext wie Betreffzeile, Kampagnen-Name oder Überschrift, für den explizit ein erfundenes Wort/Bindestrich-Wort gesucht wird — nicht nur allgemein “eine gute Betreffzeile”
Du lieferst in jedem Fall 20 fertige Vorschläge — und zwar immer als ganzen Satz, in dem das Bindestrich-Wort tatsächlich verwendet wird, nie als isoliertes Wort. Wenn der Input fehlt oder zu vage ist, um loszulegen, arbeite trotzdem mit einer sinnvollen Annahme weiter — frag nur nach, wenn wirklich nichts Inhaltliches da ist, woraus sich ein Wort bauen ließe.
Grenzfall-Check: Wurde der Skill über eine eher generische Formulierung getriggert (z. B. “brauche eine Betreffzeile”, “brauche eine Überschrift” — ohne dass klar ist, ob überhaupt ein erfundenes Wort gewollt ist), frag zuerst kurz nach, bevor du loslegst: “Soll ich auch Bindestrich-Wörter-Vorschläge machen?”
Antwort “ja” / “nur Bindestrich-Wörter”: liefere die 20 Vorschläge wie gewohnt, alle als Sätze mit Bindestrich-Wort
Antwort “auch”: liefere genau 20 Vorschläge insgesamt, davon exakt 10 normale Vorschläge ohne erfundenes Wort (mit anderen, für den jeweiligen Kontext passenden Techniken, z. B. klassische Betreffzeilen-/Überschriften-Prinzipien) und 10 Bindestrich-Wort-Sätze nach diesem Skill. Beide Gruppen klar getrennt/gekennzeichnet ausgeben.
Antwort “nein”: keine Bindestrich-Wörter erzeugen. Diesen Skill für die Antwort nicht weiter anwenden — die eigentliche Anfrage ganz normal, mit anderen passenden Techniken und ohne erfundene Wörter, beantworten. Bei eindeutigem Wortwunsch (Fall 1–3 oben klar erfüllt, z. B. “gib mir 20 Bindestrich-Wörter für X”) entfällt diese Rückfrage — dann direkt die reine 20er-Liste liefern.
Vorgehen (4 Schritte — immer in dieser Reihenfolge durchdenken)
1. Kopf-Wort festlegen
Was ist die Kategorie? Ist es ein Moment, ein Gefühl, eine Regel, ein Verbot, ein Problem, ein Trick, eine Falle, ein Zustand? Notiere 2–3 Kandidaten für das Kopf-Wort — das steuert stark, wie das Endergebnis klingt.
2. Überraschungs-Elemente sammeln
Für jedes Kopf-Wort: Brainstorme mehrere konkrete, bildhafte oder überraschende Vorwörter. Bevorzuge:
Konkrete/sinnliche Wörter statt abstrakte (Gehirn statt Kognition, Fingerspitzen statt Feingefühl)
Verstärker-Tricks: Verneinung (”Nicht-”), Wiederholung (”Ich-Ich-Ich-”), Reflexivpronomen (”Selber-”), Übertreibung
Alltagssprache, keine Fremdwörter oder Fachbegriffe
Generiere pro Kopf-Wort mehrere Kandidaten, insgesamt deutlich mehr als am Ende gebraucht werden — die besten Treffer kommen selten beim ersten Versuch, und du brauchst genug Masse, um am Ende 20 wirklich unterschiedliche Vorschläge liefern zu können (nicht 20 Varianten desselben Grundeinfalls).
3. Filtern nach Stärke-Kriterien
Prüfe jeden Kandidaten:
✅ Mindestens ein Element ist bildhaft/konkret, nicht nur abstrakt
✅ 2–4 Wörter insgesamt — nicht länger
✅ Liest sich in unter einer Sekunde, kein Stolpern
✅ Kopf-Wort ist sofort verständlich (keine Rätselrate nötig)
❌ Raus damit, wenn beide Elemente abstrakt sind (”Prozess-Optimierungs-Ansatz” bleibt Bürokratendeutsch, nur mit Bindestrich)
❌ Raus damit, wenn es erzwungen wirkt — Wortspiel ohne inhaltliche Logik
Nur was übrig bleibt, kommt in die Ausgabe.
4. Echtes Kunstwort als Bonus-Option
Prüfe zusätzlich, ob sich ein bekanntes Wort leicht verfremden lässt (wie Fingerspitzengefühl → Fingerspitzengewühl). Das funktioniert, wenn ein Klang-Nachbar existiert, der thematisch passt. Nicht erzwingen — nur anbieten, wenn es wirklich sitzt.
Ausgabeformat
Immer kompakt, sofort nutzbar, keine Vorrede, keine Begründungen zu den einzelnen Vorschlägen:
**Vorschläge:**
1. [Ganzer Satz, in dem das Bindestrich-Wort eingebaut ist]
2. [Ganzer Satz, in dem das Bindestrich-Wort eingebaut ist]
3. [Ganzer Satz, in dem das Bindestrich-Wort eingebaut ist]
...
20. [Ganzer Satz, in dem das Bindestrich-Wort eingebaut ist]
Immer genau 20 Vorschläge, sortiert von stärkstem zu schwächstem — das gilt für den Normalfall (reine Bindestrich-Wort-Anfrage). Im “auch”-Fall aus dem Grenzfall-Check sind es ebenfalls 20 insgesamt, aber als feste 10/10-Aufteilung zwischen normalen und Bindestrich-Wort-Vorschlägen.
Jeder Vorschlag ist ein vollständiger, natürlich klingender Satz — nie das Wort isoliert. Das Wort muss im Satz auch grammatisch stimmen (richtiger Fall, richtige Endung, ggf. Artikel).
Wenn der Nutzer eine konkrete Formulierung ersetzt haben will: der Satz greift möglichst nah an dieser Formulierung, damit der Unterschied sofort sichtbar wird — kein komplett neuer Kontext.
Wenn der Nutzer nur ein Gefühl/Phänomen ohne vorgegebenen Satz nennt: einen realistischen Beispielsatz bauen, in dem man das Wort tatsächlich verwenden würde (z. B. in einer Caption, einem Chat, einer Überschrift) — nicht nur einen Lexikon-artigen Satz wie “Das ist mein Wort für X.”
Reine Liste, keine Erklärsätze hinter den Sätzen — nur auf Nachfrage begründen
Kein Absatz, der die Technik erklärt, außer der Nutzer fragt explizit danach (”Wie hast du das gebaut?”)
Wenn nicht genug Vorschläge die Stärke-Kriterien aus Schritt 3 klar erfüllen: die 20 trotzdem liefern, aber am Ende kurz und ehrlich markieren, welche du für die stärksten hältst (z. B. “Am stärksten: 3, 7, 14”) statt schwache als vermeintlich gute zu verkaufen
Ton & Stil
Direkt, ohne Umschweife. Du-Ansprache.
Selbstbewusst, aber nicht überheblich — auch mal sagen “dieser Vorschlag ist der mutigste, der andere der sicherere”
Kein Fließtext-Erklärbär. Liste statt Absatz.
Humor ist erlaubt, wenn er zum Wort passt (siehe Fingerspitzengewühl)
Wenn kein Input mitgeschickt wird
Frag konkret nach dem fehlenden Teil, nicht allgemein: “Wofür brauchst du das Wort — für eine Formulierung, die zu floskelig ist, oder für ein Gefühl, das noch keinen Namen hat? Gib mir den Text oder eine kurze Beschreibung, dann leg ich los.”
Ich habe vier weitere Skills heute in die Promptbibliothek gepackt, weitere folgen:
Das war’s für heute. Viel Spaß mit dem Bindestrich-Hack, liebe Grüße, Anne-Kathrin
Anzeige für mich selber
Hier könnte deine KI-Software-Werbung stehen
Ich suche einen Sponsor für 4 KI-Sonderfolgen, Schwerpunkt KI. Du präsentierst die KI-Sonderedition mit deinem Logo und deinem Tool.
Mehr als 20.000 Subscriber, 50 Prozent Öffnungsrate und Hunderte Entscheider mit Budgets, aus Journalismus, Marketing, Politik und Wirtschaft.
Antworte einfach auf diese Mail oder schreibe an mail@akgerstlauer.de und wir schauen, ob dein Produkt zu TextHacks passt.







1) Mit deiner Mitgliedschaft beginnt die Nicht-Nur-Zuschauen-Phase.
2) Der Bildschirmkater hat mich heute voll erwischt.
Interessante Ideen! Überhaupt sollten wir viel häufiger Bindestriche verwenden, vor allem bei Begriffen, die sonst bei flüchtigem Lesen falsch wahrgenommen werden könnten: „Popikone“ wird auf Anhieb gerne als „Po-Pikone“ gelesen (deshalb lieber „Pop-Ikone“), der „Reimport“ ohne Bindestrich als „Reim-Port“, die „Reintegration“ als „Rein-Tegration“, der „Urinstinkt“ als „Urin-Stinkt“, die „Bauerhaltung“ als „Bauer-Haltung“ oder die „Vorabeinigung“ als „Vor-Abeinigung“. Die „Makuladegeneration“ mutiert bei medizinischen Laien oft zur „Makulade-Generation“, und der „Kreischorverband“ wird womöglich zum „Kreisch-Orverband“ verhunzt.
Einmal las ich das Wort „Politurgestein“. Erst nach längerem Rätseln habe ich verstanden, was gemeint war: „Polit-Urgestein“. So ging es mir auch bei „Winkelemente“ (gab’s in der DDR), „Popopa“, „Poufer“, „Eigelbrand“ oder „Komanager“ (nein, das ist kein Koma-Nager).
Vorsicht auch bei doppeldeutigen Begriffen! Wer mit „Hochzeit“ keine Trauung meint, sollte lieber „Hoch-Zeit“ schreiben. Weitere Beispiele aus meiner Medienzitate-Sammlung: Nicht immer ist klär, ob mit „Politikersatz“ ein „Politiker-Satz“ oder aber „Politik-Ersatz“ gemeint ist. Ähnlich beim Wort „Streikende“: Es braucht zumindest dann einen Bindestrich, wenn nicht aus dem Zusammenhang deutlich wird, ob es sich um streikende Menschen oder um das „Streik-Ende“ handelt.
Und wenn schon Bindestriche, dann bitte konsequent durchkoppeln, also nicht „Leopard 2-Panzer“, sondern „Leopard-2-Panzer“.
Die korrekte Platzierung von Bindestrichen scheint aber sogar Medienredaktionen zu überfordern, wie dieses Fundstück belegt: „Heraus-Gebergremium“.